Digitalisierung in der Praxis

 
 
 
 
 

Gastbeitrag Prof. Dr. Matthias Schönermark

Die Studie der apoBank zur Digita­li­sie­rung im Gesund­heits­markt macht ein­drück­lich und unzweife­lhaft klar: Die Medizin, das Gesund­heits­wesen und die Heil­beruf­ler sind von den Ver­ände­run­gen, die sich aus der soge­nannten Digi­talen Trans­forma­tion ergeben, stärker betroffen als die meisten anderen Berufs­gruppen. Der zweite Befund, den die Studie erhebt, verdeut­licht, dass die Ver­ände­rungen bereits im Gange sind und dass die aller­meisten Betei­lig­ten für die Verände­rungen zwar sensi­bili­siert sind, dass aber auch die unmittel­baren, persön­lichen Konse­quen­zen im prak­tischen All­tag noch un­klar blei­ben.

Die klinische Medi­zin lebt von der Gene­rierung, der Beur­tei­lung und der Archi­vierung von Informa­tionen. Als Erfahrungs­wissenschaft ist sie darauf ange­wiesen, dass mög­lichst viele, ver­wert­bare Informa­tionen zur Verfü­gung stehen und zum Wohle des Patien­ten syste­matisch analy­siert werden. Die Erfah­rung des Arztes, das heißt die indivi­duell akkumu­lierte und zur Verfügung stehende Infor­ma­tion, generiert aus seiner jewei­ligen klinischen Tätig­keit, ist der bedeu­tendste Erfolgs­faktor für eine hoch­quali­tative Behand­lung. Mittler­weile ist der weit­aus größte Teil der medizi­nischen Infor­ma­tionen digi­tali­siert. Sämt­liche bild­gebenden Ver­fahren erlauben eine digi­tale Erfassung, Aus­wertung und Speiche­rung, nicht nur als Stand­bild sondern auch als Video. Alle Labor­parameter werden inzwischen digitali­siert oder lassen sich digita­li­sieren, wie jeder Text lässt sich auch die Doku­men­tation der Anam­nese digi­tal erfassen.

Genetische bzw. molekular­bio­lo­gische Infor­ma­tionen werden ohne­hin voll auto­mati­siert digital erhoben. Selbst das psychia­trische Gespräch, sei es diagnos­tischer oder thera­peu­tischer Natur, erlaubt jetzt schon eine digi­tale Aus­wer­tung. Erste Studien­ergeb­nisse weisen zudem darauf hin, dass digi­tal basierte Aus­werte­systeme, zum Bei­spiel von mela­nom­verdäch­tigen Naevi, sensi­tiver und spezi­fischer sein können als der dia­gnos­tische Blick selbst des geschul­testen derma­tolo­gischen Auges. So ist die Frage, die in der Studie behan­delt wird, ob digi­tale Systeme eher heil­berufs­ersetzend oder heilberufs­unter­stützend wirken werden, nicht ab­schließend zu beant­worten.

Informationsuniversum Medizin
Wenn prinzipiell jede Infor­mation digitali­sierbar und damit in Meta­systemen korre­lier­bar und an jedem Ort der Welt zu jeder Zeit ver­füg­bar ist, sind die Mög­lich­keiten in einem Informa­tions­uni­versum wie der Medi­zin un­endl­ich groß. Je potenter die Rechen- und damit die Analyse­kapazi­täten werden, desto mehr zweit-, dritt- und höher­gradige Daten­ablei­tungen sind mögl­ich. Noch ist die Digi­tal Health-Land­schaft völlig unüber­sicht­lich und es ist nicht abseh­bar, welche Ansätze und Geschäfts­modelle sich durch­setzen werden. Es ist aller­dings davon auszu­gehen, dass ein Seg­ment ent­steht, das im Wesent­lichen Arzt- bzw. Apo­theker- oder allgemein Heil­berufe-bezogene Pro­dukte, Systeme und Lösungen ent­wickelt. Ein weiteres Segment wird sich auf den Patien­ten und seine Bedürf­nisse konzen­trieren und hier­für spezi­fische Anwen­dungen an­bieten. Und es kann erwartet werden, dass ein bedeu­tendes Markt­segment Ansätze für die beson­dere Form der Inter­aktion zwischen Health Care Professional (HCP) und Patient und die damit verbun­denen Trans­aktionen zur Ver­fügung stellt.